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Projektwoche zum Thema Geld

Projektwoche

 

Projektwoche zum Thema Geld


Menschen bestimmen die Spielregeln des Geldsystems. Aber wie wirken sich diese aus? INWO-Mitglied Peter Nothhof wollte dies mit seinen Schülerinnen und Schülern in einer Projektwoche herausfinden.

ie Ursachen für die Probleme in unserer Gesellschaft, auch für die Klimakrise, werden meist in menschlichen Verhal-tensweisen und politischen Entscheidungen gesucht, selten in wirtschaft-lichen Rahmenbedingungen und fast nie im Bereich des Geldes. Doch von den »Spielre-geln« unseres Geldsystems hängt die Stabi-lität unserer Gesellschaft weit stärker ab, als die meisten Menschen erahnen. Daher sollte niemand die Schule verlassen ohne diese Spielregeln zu kennen.

Die Motivation für das Projekt waren Ausgangsfragen wie diese:

• Geld soll dem Menschen dienen. Wieso erleben wir so oft, dass nicht der Mensch, sondern das Geld im Mittelpunkt der Wirtschaft steht?

• Kann eine Währung Nachhaltigkeit fördern oder verhindern?

• Wir leben in einer hochgradig arbeitsteiligen Gesellschaft. Das Grundfundament, das dies überhaupt ermöglicht, ist unser Geld. Was passiert, wenn Geld »streikt«?

Für unser Oberstufen-Projekt hatten wir über drei Tage insgesamt zwölf Zeitstunden zur Verfügung. Die Schülerinnen und Schüler bildeten Zweier- oder Dreier-Teams. Nach der Vorstellung der Themen wählten die Gruppen je eines aus. Je nach Thema standen verschiedene Texte, Artikel, Zeitschriften und Bücher als Arbeitsmaterial zur Verfügung. Jede Gruppe verfügte auch über einen Laptop mit Internetanbindung. Am Ende stellten sie ihre Erkenntnisse in einer Präsentation vor. Manche Gruppen konnten noch ein oder zwei weitere Themen bearbeiten. Unter anderem wurden folgende Themen behandelt:

Einem Topmanager wird gekündigt und er erhält 30 Millionen Euro Abfindung. Was tut er damit? Wie lange kann er davon leben?

Das erstaunliche Ergebnis war, dass der Manager die 30 Millionen Abfindung in 30 Jahren vollständig ausgeben konnte, aber dennoch (durch die Anlage zu 5%) das Startkapital sich in dieser Zeit sogar verdoppelte. Somit »verlebt« der Manager 30 Millionen und vererbt trotzdem noch fast 60 Millionen! Schnell wurde klar, dass dieser Schneeballeffekt nicht auf Dauer gut gehen kann.

Alter Job, neuer Job, welcher ist der bessere?

Die Vorstellung vom »neuen lukrativen Job« durch Geldanlage lieferte ein noch erstaunlicheres Ergebnis. Nach etwa 24 Wochen hatte man in beiden Jobs etwa das Gleiche verdient. Am Jahresende standen jedoch 520.000 Euro gegenüber 22,5 Billionen Euro! Die zweite Zahl ist unfassbar groß. Deshalb kann man exponentielles Wachstum viel treffender als explodierendes Wachstum bezeichnen. Solche Prozesse sind am Ende immer zerstörerisch. Diese Dynamik ist jedoch Bestandteil unseres aktuellen Geldsystems.

Der wundersame 5-Euro-Schein

Durch den wundersamen 5-Euro-Schein (nach einer Geschichte aus dem »Geld-Syndrom« von Helmut Creutz) erkannten die Schüler die Bedeutung der Umlaufgeschwindigkeit eines Geldscheins. Mit dem 5-EuroSchein wurde an einem Tag ein Gesamtwert von 50 Euro getauscht. Dabei verschwanden Guthaben und Schulden von je 50 Euro, denn beides entsteht und vergeht gleichzeitig.

Wir »erfinden« unser eigenes Geld

Am ersten Tag wurde auch noch das Thema »Komlementärwährungen« vorgestellt. Am Beispiel des Chiemgauers erläuterten die Schüler, wie diese Regionalwährung geregelt ist. Die besondere Eigenschaft einer Umlaufsicherung wurde dabei schön herausgearbeitet.

Vergleich von Hartz IV- und Zinsausgaben

Die Recherchen der Schüler ergaben, dass bei aktuell etwa 4 Millionen Arbeitslosen und einem Arbeitslosengeld von ca. 700 Euro (inklusive Wohnkosten und Sozialversicherungen) die Gemeinschaft 33,6 Milliarden Euro tragen muss. Bei einem Durchschnittseinkommen eines normalen Arbeiters von ca. 34.000 Euro brutto im Jahr müssen somit fast eine Million Menschen nur für diese Sozialausgaben arbeiten.

Die Geldvermögen in Deutschland betrugen 2018 ca. 6,2 Billionen Euro. Geht man von einer Verzinsung von nur 1% aus, liegen die Zinseinnahmen der Vermögenden bei ca. 62 Milliarden Euro. D.h. es müssen doppelt so viele Menschen für die Zinseinnahmen der Reichen arbeiten als für die Transferleistungen für Arbeitslose. Gewinne aus Boden und Immobilienspekulation bleiben dabei noch unberücksichtigt!

Mit dem aktuellen Film »Das Wunder von Wörgl« und einer anschließenden Diskussion endete der zweite Tag.

Am dritten Tag wurden die Zusammenhänge von Zinssätzen und den Verdopplungszeiten von Vermögen an der Tafel gemeinsam erarbeitet. Als wichtiges Ergebnis wurde eine Merkformel notiert, mit der man die Verdopplungszeiten bis zu Zinssätzen von 15% leicht überschlagen kann. Die Verdopplungszeit in Jahren erhält man, wenn man die Zahl 72 durch den Zinssatz teilt.

Fazit: Ein gelungenes Projekt, in dem sich 12 Schülerinnen und Schüler einen Zugang zu den Zusammenhängen in unserem Geldsystem erarbeiteten. Die Rückmeldungen waren so positiv, dass ich dieses Projekt in unserer nächsten Projektwoche gerne wieder anbieten möchte.

Wer Informationen und Materialien für ein ähnliches Projekt haben möchte, darf sich gerne an mich wenden. Peter Nothhof Kontakt über E-Mail: penothhof(at)aol.com

INWO · September 3/2019 Seite3

Dieser Beitrag erschien in der Fairconomy 3/2019